„Gehet hin und lehret alle Völker“, letzte Worte Jesu an seine Jünger vor der Himmelfahrt. Die Darstellung stammt aus der Matthäus-Mappe von Otto Dix. Wir sehen Jesus mit ausgestrecktem Arm in die Welt zeigend. Der Kopf ist leicht gesenkt und sein Blick auf den Boden gerichtet. Man könnte diese Lithographie so interpretieren, dass Jesus die Aufgabe der Weltmission nun an die Jünger weitergibt und er sein Werk vorerst abgeschlossen hat. Auffällig sind die starken Hell-Dunkel-Kontraste. Die Mappe „Matthäus Passion“ entstand 1960. Es handelt sich um einen grafischen Zyklus, in dem Dix die Lebensgeschichte Christi nach dem Evangelium von Matthäus interpretiert. Sie zeigt 37 Ereignisse aus dem Leben Jesu. Typisch für Otto Dix ist der expressive Stil mit kantigen Linien und eindringlichen, oft leidvollen Gesichtern. Die Mappe wirkt ernst und zum Teil dramatisch. Dix verzichtet auf idealisierte Darstellungen und zeigt die Figuren mit großer emotionaler Intensität und menschlicher Verletzlichkeit.
Otto Dix zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist geprägt durch seine persönliche Erfahrung als Teilnehmer in zwei Weltkriegen. Er zeigt den Menschen in all seinen Widersprüchen. Geboren wurde er 1891 bei Gera und gestorben ist er 1969 in Singen-Hohentwiel. Aufgewachsen ist er in einer Arbeiterfamilie, dies hat ihn sozial geprägt. In der Weimarer Republik hat er sich vor allem für die sozial Schwachen und Verletzten eingesetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sein Spätwerk milder und enthält vor allem Landschaftsbilder und christliche Themen.
Bevor Jesus den Missionsbefehl gab, hatte er drei Jahre lang seine Jünger als Lehrer und Coach ausgebildet. Daß er wirklich Gottes Sohn war, begriffen die Jünger jedoch erst nach seiner Auferstehung. Die biblische Erzählung von der Himmelfahrt berichtet, wie hat er sich von seinen Jüngern verabschiedete und kurz davor ihnen noch den Missionsbefehl gab – das heißt, das Christentum sollte Weltreligion werden.
Die meisten Jünger kamen aus einfachen Verhältnissen, waren nicht gebildet und auch nicht mehrsprachig. So kann man die Entwicklung des Christentums zur führenden Weltreligion nur bestaunen. Zu Pfingsten ereignete sich ein Missionswunder. Aus der Sprachenvielfalt der Besucher Jerusalems wurde durch den Heiligen Geist eine Sprache, die alle Besucher verstanden. Daraufhin haben sich angeblich spontan 3.000 Personen christlich taufen lassen.
Später kam mit Paulus ein 13. Apostel zu den 12 Jüngern hinzu, der gebildet, mehrsprachig und wortgewaltig war. Das schnellwachsende Christentum hat Verfolgung und Widerstand überlebt. Um 300 wurde es erstmals Staatsreligion in Armenien. Im Jahr 312 hatte der spätere, römische Kaiser Konstantin den Traum, mit dem christlichen Kreuz zu siegen und die Christenverfolgungen hörten auf. Durch das Edikt von Thessaloniki, das von Kaiser Theodosius I. – der zeitweise ost- und weströmischer Kaiser war – am 27. Februar 380 erlassen wurde, wurde das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reiches. Das Christentum war somit Weltreligion. Heute werden ca. 2,4 Milliarden Menschen als Christen eingestuft. Damit ist das Christentum die größte Religionsgemeinschaft der Welt.
Dr. Ulrich Scheufelen, Stifter der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg, Lenningen