Auf ein Wort

JUBILATE, jubelt! Im evangelischen Kirchenjahr ist es das Motto für den 3. Sonntag nach Ostern. Es ist der Sonntag der Neuschöpfung, Jubel über die Auferstehung, Hoffnung auf den verheißenen neuen Himmel und die neue Erde.

Meine Freude über die die Einladung, als Künstler die Jahresausstellung 2025 der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und des Fördervereins Marienorgel in der Marienkirche zu Beeskow zu gestalten, war groß. Der Wunschort für das Hauptbild meiner Konzeption stand schon bei meinem ersten Besuch fest. Im ziegelrot gemauerten Innenraum der Marienkirche zu Beeskow erhebt sich gegenüber der Seitenpforte rechts vom Altarraum ein verputztes Blindfenster. 7,50 Meter hoch und 2,40 Meter breit und abgeschlossen mit einem frühgotischen Bogen ist seine Fläche hell beleuchtet durch die hohen Fenster gegenüber. Ohne den christlichen Hintergrund wirklich zu kennen, wollte ich JUBILATE als Motto für das große Bild. Auf einer ausgerollten Bahn weißen Zeichenkartons habe ich, über die Fläche gehend, mit Acrylfarbe und breiten Pinseln in freudvoller freier Geste Farbflächen gesetzt und mit geschnittenen Farbfolien collagiert.

Erst jetzt, im Nachhinein, wird meine erste Entscheidung, die Grundfläche nicht farbig anzulegen, sondern sie weiß leuchten zu lassen, auch aus christlicher Sicht sinnvoll: Die liturgische Farbe dieses Sonntags ist Weiß. Zwei weitere Bilder reichten aus, um den gewaltigen Kirchenraum gemeinsam mit dem JUBILATE-Bild farbig und formal zu ordnen. Auf der Südwand zur Winterkirche schräg gegenüber des Hauptbildes habe ich mein Auferstehungsbild platziert. Und für den Platz über dem Haupteingang zum Kirchenschiff, dort wo die Orgelempore wieder gebaut werden soll, habe ich ein quadratisches Bild gemalt, dessen abstraktes Farb- und Formgefüge ich FUGE genannt habe.

Die bedrohliche Weltlage bietet wahrlich keinen Grund zum Jubeln. Das auf so vielen Ebenen stattfindende Grauen wollte ich nicht illustrieren. Die bedrohte Schöpfung wollte ich feiern. Freude am Sein und Zuversicht ist Gegenkraft zur Verzweiflung!

Volker Henze, 2025

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