Auf ein Wort

Der Christophorus ist für mich ein großes Thema, und es gibt ihn bei mir in vielen Ausführungen: als Stein für eine Abreibung, als Abreibung, als Kleinplastik in Bronze und eben geschnitzt.  Mir gefiel der Christophorus von Veit Stoß in Krakau so sehr. Er hat so wunderbar verdrehte Beine. Ich versuchte ihn, groß zu schnitzen, aus einer Linde der Berliner Pfaueninsel. Doch die Beine sind anatomisch einfach nicht nachvollziehbar. Trotzdem gefällt mir der große Stamm sehr gut.

Anna Franziska Schwarzbach, 2025

Von Offerus, einem furchterregenden Riesen, wird erzählt, dass er den mächtigsten Herrscher der Welt suchte, um nur ihm zu dienen. Doch er fand keinen, der nicht vor einem noch mächtigeren gezittert hätte. Selbst der Teufel, dem er ebenfalls folgte, floh vor einem Kreuz, das am Wegrand stand. Also musste es noch einen Mächtigeren geben als ihn. Ein Einsiedler, der an einem reißenden Fluss lebte und Menschen ans andere Ufer führte, gab ihm schließlich den Rat, sich der unbegrenzten Macht Gottes zu unterwerfen. Von nun an trug Offerus Reisende auf seinen Schultern durch die Stromschnellen. Als er einmal ein Kind über den Fluss trug, wurde es mit jedem Schritt schwerer und schwerer, so dass Offerus fürchtete, das rettende Ufer nicht zu erreichen. Doch es gelang. Als Offerus das Kind fragte, warum es so schwer sei, antwortete der Knabe: „Du hast Jesus getragen, den Heiland. Und der trägt die Last der ganzen Welt. Von nun an sollst du Christophorus (Christus-Träger) genannt werden“.

Nach der Legenda aurea des Jacobus de Voragine

(Foto: Bertram Kober)

Dokumente

Enquiry